Oktober 22

BURN ON statt BURN OUT

Von Dominique Rychter

Bist du unglaublich engagiert bei der Arbeit, übernimmst unzählige Aufgaben und Überstunden stehen bei dir an der Tagesordnung? Fühlst du dich körperlich und geistig erschöpft, Motivation und Freude werden für dich langsam aber sicher zu Fremdwörtern? Oder kennst du das Gefühl, dass du neben dir stehst, dich wie in Watte gepackt fühlst oder dich wahrnimmst, als ob du dich hinter einer Glasscheibe befindest? Dann solltest du hier unbedingt weiterlesen. Ich möchte dir aufzeigen, was es möglicherweise damit auf sich hat, woran du ein Burnout erkennst und was dir Linderung verschaffen kann.

Beantworte folgende Fragen für dich.

Zuerst lade ich dich ein, die folgenden Fragen für dich selbst zu beantworten:

  1. Steckst du dir deine Ziele oft unrealistisch hoch und musst unglaublich viel Energie aufwenden, um sie zu erreichen?
  2. Sind deine Ziele hauptsächlich darauf ausgerichtet, den Erwartungen anderer gerecht zu werden?
  3. Erwartest du eine Belohnung für deinen selbstgewählten übermäßigen Einsatz?
  4. Zweifelst du oft, ob dein Handeln richtig ist?
  5. Fällt es dir schwer, «Nein» zu anderen zu sagen?
  6. Redest du dir immer wieder ein, dass du stets Höchstleistungen erbringen musst?
  7. Ist dein Selbstwertgefühl von deinem beruflichen Erfolg abhängig?

Falls du mehrere Fragen mit Ja beantwortest, kann es durchaus sein, dass du zumindest burnout-gefährdet bist.

Hast du verlernt, abzuschalten?

Es beginnt meist damit, ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen. Dein Antrieb, ob bewusst oder unbewusst, ist dabei Bewunderung und Anerkennung im Aussen zu erhalten. Du möchtest dich von der Masse abheben, aber gleichzeitig machst du dich von ihr abhängig, da du ihre Anerkennung brauchst. Um diese zu bekommen, unternimmst du enorme Anstrengungen. Dabei kann es sich um berufliches Weiterkommen, sportliche Leistungen, oder das Privatleben handeln. Nach und nach beginnst du, dein komplettes Leben auf die Erfüllung von Erwartungen auszurichten. Diese Erwartungen stellst du selbst an dich und die Mittelmässigkeit ist dabei dein grösster Feind.

Nie bist du mit dir, deiner Leistung oder deinem Körper zufrieden. Es geht immer noch besser, noch effizienter, noch durchtrainierter. Deine Ziele korrigierst du stetig nach oben, so dass du niemals ankommen kannst. Du lebst wie auf der Flucht. Niemals darfst du zur Ruhe kommen, denn dann müsstest du nach Innen schauen und was du dort finden würdest, ist innere Leere und Einsamkeit. Da du keine andere Lösung siehst, musst du immer fort weitermachen. Du betäubst dich mit Arbeit, Sport oder anderem in exzessivem Ausmass.

Stetig schraubst du die Zahl deiner Arbeitsstunden nach oben, erhöhst die Trainingseinheiten und verschiebst die Erholungs- und Entspannungsphasen immer wieder in die Zukunft. Und eben genau dieses ständige Aufschieben der Erholung auf einen späteren Zeitpunkt birgt ein hohes Potenzial für die Entstehung eines Burnout-Syndroms. Der Zeitpunkt deiner Erholung tritt praktisch nie ein und irgendwann stellst du fest, dass du längst verlernt hast, abzuschalten.

Wie kannst du ein Burnout früh erkennen?

Wenn du dich über einen langen Zeitraum grossem Stress und Druck aussetzt und dir gleichzeitig zu wenig Ausgleich gönnst, brennst du über kurz oder lang auf emotionaler, geistiger und körperlicher Ebene aus. Anfangs fühlst du dich müde und abgeschlagen, aber dein Ziel scheint dir die Mühe wert zu sein. Deine geistige und körperliche Erschöpfung führt allmählich zum Verlust deiner Leistungsfähigkeit. Du ziehst dich immer mehr aus deinem sozialen Umfeld zurück. Was du zu Beginn vielleicht noch mit Aufputschmitteln, Alkohol oder Zigaretten kompensieren konntest, beginnt dich langsam aufzufressen.

Die Signale deines Körpers werden deutlicher. Schlafstörungen sind keine Seltenheit. Du wirst immer antriebsloser und empfindest kaum noch Freude am Leben. Du beginnst zunehmend am Sinn deines Tuns zu zweifeln, machst aber unermüdlich weiter. Du kannst nicht stehen bleiben, du hast zu viel Angst davor, was dich erwarten könnte. Zu lange hast du dich schon über Leistung definiert.

Wann bist du besonders gefährdet?

Wenn du dich nur noch über das, was du tust oder besitzt definierst und nicht darüber, wer du bist, bist du besonders gefährdet. Ebenso wenn der Leistungsgedanke bereits anerzogen wurde, du das Wohl anderer immer wieder über dein eigenes stellst, du zu Suchtverhalten neigst, schlecht delegieren kannst, unter einem ausgeprägten Perfektionismus leidest, es dir schwer fällt einfach mal „Nein“ zu sagen oder dich abgrenzen zu können.

Die innere Leere, die du verspüren magst, stammt womöglich aus deiner Kindheit. Bist du als Kind starker, emotionaler Überforderung ausgesetzt, reagierst du mit Dissoziation, ein automatischer Schutzmechanismus, der dich vor diesem und zukünftigem Schmerz bewahren soll. Dazu spaltet sich ein Teil von dir und deiner Emotionswelt ab und wird tief in deinem Unterbewusstsein verstaut. Von diesem Ich-Anteil weisst du heute nichts mehr und du tust unbewusst alles, damit dies auch so bleibt. Die Angst vor erneutem Schmerz ist zu gross. Aber genau dieser abgespaltene Ich-Anteil führt zu dem Gefühl der inneren Leere und lässt dich nicht zur Ruhe kommen. Das Wegschauen kostet dich jeden Tag zusätzliche Energie. Je mehr alte ungelöste Konflikte du in dir trägst, desto weniger Zugang hast du zu dir selbst und desto mehr Energie verschwendest du täglich an dein Unterbewusstsein.

Das verletzte innere Kind

Auch wenn das für dich neu sein mag, die ungelösten Konflikte deiner Kindheit haben starken Einfluss auf dich, deine Wahrnehmung und dein Verhalten. Sie bestimmen, ob du dich durchsetzen kannst, du dir Stress oder Druck machst, wie du mit Kritik umgehst und wie hoch die Erwartungen an dich selbst sind.

Nur wenn dein inneres Kind stark verletzt ist, sprich der Anteil in dir, der für deine gesamte Gefühlswelt zuständig ist, bist du in der Lage verantwortungslos und achtlos mit dir selbst umzugehen. Burnout kann demnach ein starkes Anzeichen für eine tiefsitzende, alte Verletzung sein. Vielleicht bist du als Kind in deiner Persönlichkeitsentwicklung zu wenig unterstützt worden, konntest nicht das nötige Selbstbewusstsein und den nötigen Selbstwert entwickeln. Dadurch bist du möglicherweise nicht ausreichend in der Lage, Verantwortung für dich als Erwachsenen zu übernehmen und deine eigenen Grenzen zu erkennen, zu achten, für dich und deine Grenzen einzustehen.

Öffne dich für dich selbst

Selten sind es die äusseren Umstände, die dich zur permanenten Selbstüberforderung zwingen. Du bist es selbst. Burnout kann die Folge einer selbst erwählten Überforderung sein, ein Mittel zur Ablenkung von dir selbst, von deinem verletzten inneren Kind, die Folge deiner ungesund gelebten Verdrängung. Die Flucht davor, nach innen zu schauen. Du möchtest nicht hören, was deine innere Stimme dir zu sagen hat, die Stimme deines verletzten inneren Kindes. Die beste Flucht ist immer die Sucht. Ob nun nach Arbeit, Partnerschaft, Sport, Sex oder Party. Alles, was dich körperlich und seelisch auslaugt, wenn du es zu exzessiv betreibst, kann dich zum Burnout führen.

Doch mit dem Burnout hast du das falsche Ziel vor Augen. Du selbst solltest das Ziel sein. Kontakt zu dir und deinen Bedürfnissen, zu deinen Gefühlen zu finden. Es ist ein starker Weckruf, nicht nur deinen Lebensstil zu ändern, sondern auch die Einstellung zu dir selbst. Möchtest du innere Ausgeglichenheit und Zufriedenheit spüren, führt kein Weg an einer Innenschau vorbei. Öffnest du dich nicht für dich selbst, bleibt dein Leben leer, egal wie sehr du es mit Arbeit, Geld, Status oder Luxus vollstopfst. Es gibt andere Optionen, als weiterzumachen. Du kannst sie in deinem Zustand mit deiner Wahrnehmung vielleicht nur nicht erkennen.

Erkenne deine eigenen Grenzen

Burnout kann also die Wirkung permanenter Selbstüberforderung sein, die sich körperlich, geistig und emotional niederschlägt und gerade bei fortgeschrittenen körperlichen Symptomen unbedingt einer fachmedizinischen Behandlung bedarf. Die Grenzüberschreitung kann als Versuch verstanden werden, dich selbst wahrzunehmen. Denn nur wenn der Zugang zu dir selbst fehlt, ist es dir möglich, immer wieder über deine eigenen Grenzen hinweg zu gehen und dich bis zur totalen Erschöpfung zu verausgaben. Burnout kann als Notbremse deines Körpers verstanden werden, wenn deine innere Leere zu lange den Ausgleich im Extrem sucht: Karriere. Sport. Sex. Rave. Perfektion. Kontrolle. Aber was du eigentlich suchst, bist du selbst.

Im systemischen Coaching wirst du Schritt um Schritt zu deiner inneren Wahrheit begleitet, wirst deine Glaubensmuster kennenlernen und der Quelle deren Entstehung auf den Zahn fühlen. Du wirst verstehen, was Verdrängung und Vermeidung mit Burnout zu tun haben. Auch wirst du erkennen, was dein Perfektions- oder Kontrollstreben für eine Rolle dabei spielen. Erst dann bist du wirklich frei, um wirklich ganz bei dir anzukommen.


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