April 20

Das innere Team

von Maya Grosmann

Persönliche Gedanken:
«In der Weiterbildung „Coaching- und Beratungskompetenz mit dem Inneren Team“, habe ich so richtig meine inneren Teammitglieder kennen gelernt – die Pluralität meines menschlichen Innenlebens und deren Chef. Jetzt habe ich einen besseren Zugang zu meinen inneren Teammitgliedern.

Kennen Sie Situationen, Sie sind müde nach der Arbeit nach Hause gekommen? Der Plan des Abends wäre Sport. Obschon Sie wissen, dass es ihnen nach dem Training wieder besser geht und dass Sie dann geistig und körperlich wacher sind, hält Sie etwas derart stark zurück. Aha… es handelt sich um „die Sportliche“, die möchte etwas für die Fitness tun und „die Geniesserin“, welche lieber den friedlichen Abend mit einem Buch im Wohnzimmer verbringt. Oder hat es etwas mit dem „inneren Schweinehund“ zu tun? Ist dieser präsent und steht dem Geniesser im Wege?

Das Innere Team ist ein Persönlichkeitsmodell

Die Persönlichkeitsanteile des menschlichen Innenlebens werden darin mit der Metapher eines Teams und seines Leiters (Chef) dargestellt. Das soll die Selbstklärung in zwiespältigen Situationen unterstützen und damit die Voraussetzung für eine klare Kommunikation nach aussen bieten.

Das gefühlsmässige „Innenleben“ eines Menschen beeinflusst das Verhalten. Die „inneren Stimmen“ werden „Inneres Team“ benannt. Die innere Hoffnung, Erwartung und Bestrebung wird als Teammitglied angesehen und analysiert.
Haben innere Teammitglieder eines Menschen Wirkung auf das „äussere“ Team einer Abteilung oder einer Organisation? Kann die Zusammenarbeit im Team verbessert werden? Coaches, die mit der Methode des inneren Teams vertraut sind, sind überzeugt davon.

Der innere Mensch ist mit sich selbst nicht immer ein Herz und eine Seele. Die innere Pluralität erweist sich als ein menschliches Wesensmerkmal. Oft sogar haben wir es bei unserem inneren Team mit einem zerstrittenen Haufen zu tun. Mit dem Modell des Inneren Teams betrachten wir die „Innenseite“ der Kommunikation genauer. Denn ein Miteinander und Gegeneinander finden wir nicht nur zwischen den Menschen, sondern auch innerhalb des Menschen. Meistens haben wir mehrere Seelen in unserer Brust.
Steht ein Mensch vor einer schwierigen Entscheidung, führt er mehr oder weniger bewusst eine innere Teamsitzung durch. Durcheinander, uneinheitliche Äusserungen (z. B. ungutes Bauchgefühl gegen rationales Argument) und eine Dominanz der lauten, schnellen und beliebten Teammitglieder prägen in der Realität oft die nicht bewusst kontrollierten Teamsitzungen. Trotzdem gelingt es dem Teamleiter dank seiner Übung, in vielen Fällen eine zufriedenstellende Entscheidung herbeizuführen. Bei besonders schwierigen oder ungewohnten Entscheidungen wird es aber nicht in jedem Fall gelingen.

Die inneren Teammitglieder

Zu einer Teamsitzung müssen zunächst die Teammitglieder, die sich zu der Frage äussern wollen, identifiziert werden. Oft gelingt das erstaunlich gut, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, in sich hinein zu hören. Anschliessend sollte jedes Teammitglied das Recht bekommen, seine Botschaft unkritisiert vorzubringen. Eine freie Diskussion gibt allen die Möglichkeit, gehörig aneinanderzugeraten. Der Teamleiter sollte dabei gut aufpassen, um danach die strittigen Fragen und die Positionen dazu zusammenfassen zu können. Hierbei ist Führungstalent besonders wichtig – der Teamleiter sollte neutral bleiben und alle Positionen wertschätzen. Auf dieser Basis kann dann – wie in wirklichen Teams über einen Kompromiss nachgedacht werden. Zum Abschluss kann man das Ergebnis zusammenfassen und noch einmal die Zustimmung aller Teilnehmer einholen.

Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile. Weil man sich in seiner Pluralität akzeptiert, ist es nicht nötig, wichtige Bedürfnisse zu vernachlässigen, um schnell eine einheitliche Meinung hervorzubringen. Ein authentischeres Ergebnis führt häufig zu höherer Selbstzufriedenheit – und schliesslich hilft die Selbstklärung, späteres Unwohlsein in dieser Fragestellung schnell zu verstehen und damit umzugehen.

Es gibt immer wieder Situationen, wo wir hin- und hergerissen sind. Dieses Modell kann zum Beispiel eingesetzt werden, wenn wir eine Entscheidung treffen möchten.

Die inneren Personen interagieren innen miteinander wie Menschen untereinander. Sie ringen um Einfluss oder versinken in Untergrund. Je nach Situation hören wir unterschiedliche, manchmal sogar gegensätzliche Stimmen. Jedes Teammitglied will aber immer nur das Beste für den Teamchef.

Teammitglieder unterscheiden sich auf vielfältige Weise – sie sind laut oder leise, melden sich schnell oder langsam, sind dominant im Aussenkontakt oder zeigen sich nur nach innen, wo sie als Gedanke, Gefühl, Impuls, Stimmung oder Körpersignal auftreten. Zwischen Teammitgliedern herrscht eine ähnliche Gruppendynamik wie im wirklichen Leben auch. Es gibt „Stammspieler“, dies sind Hauptstimmen → so bin ich, wichtiger Teil von mir. Und es gibt die „Ersatzspieler“, dies sind Nebenstimmen → so bin ich auch, ist nur ein Teil von mir.

Hier ein paar Beispiele für innere Teammitglieder:

Stimme der Vernunft = Rational, achtet auf angemessenes Erscheinungsbild, beschützt die Verletzlichkeit, Aufpasser, richtiges Verhalten
Kritiker = der Meister im Vergleichen, Gespür für innere Schwächen, schützt die Verletzlichkeit, IQ 200
Antreiber = Treibt in Aktivität um jeden Preis und in jedem Lebensbereich. Es gibt immer etwas zu tun. Nichtstun ist schlecht, zwanghaft. Arbeitet zusammen mit Kritiker und Perfektionist.
Abenteurer = hat vielleicht Wünsche, die wir uns selten eingestehen, Neugier, Entdeckerlust, Risiko, Lust
Pflichtbewusste = auf die kann man sich verlassen, ist zuverlässig, loyal, fair
Spielerische Kind = lustig, lebendig, neugierig, frech, hat viel Spass (Gegengewicht zum Perfektionist/Kontrolleur)
Macher = nicht studieren – einfach tun
Perfektionist = Ihm ist es nie genug. Falls nahe daran, schraubt er/sie die Vorgaben sofort höher. Es kann immer noch besser gemacht werden.
Zweifler = Mache ich das denn richtig?
• Etc.

Der innere Chef

Der „innere Chef“ – das „ICH“ ist übergeordnet und hat eine Adlerperspektive auf das innere Team. Er ist dem Wohl des ganzen verpflichtet. Er hört an und integriert widersprüchliche Kräfte. Er erkennt Anliegen, greift ein und ist Entscheider. Er soll die Geschehnisse mit Abstand betrachten und fragt sich: „AHA, was ist hier los?“

Das Ziel ist ein bewusstes „Ich – der innere Chef“, welcher zwischen den gegensätzlichen inneren Personen steht und vermittelt. Ziel der Arbeit mit diesem Modell ist zu einer klaren und stimmigen Kommunikation zu gelangen und Klarheit zu schaffen. Wenn Sie ihr Inneres Team besser kennen und schätzen gelernt haben, können Sie die Zusammenarbeit mit anderen verbessern.

Grundhaltung des Coaches

Eine wertschätzende Grundhaltung des Coaches gegenüber den einzelnen Inneren Personen des Kunden ist Voraussetzung. Es ist Absichtslosigkeit, Respekt und Offenheit, wie auch interessiertes Forschen gefragt. Jede Innere Person übernimmt eine wichtige Funktion. Der Coach unterstützt den Kunden bei der Suche nach Lösungen, der Coach ist neutral und Prozessbegleiter. Lösungen zeigen sich und mögliche Konflikte müssen nicht unbedingt sofort gelöst werden. Der Coach unterstützt den Kunden und ermöglicht dem inneren Chef das Wandeln in den Schuhen der Konfliktbeteiligten.

Coaching mit dem Inneren Team und deren Einsatzmöglichkeiten:

• Vor einem wichtigen Gespräch oder einer Konfliktsituation
• Vor wichtigen Entscheidungen (mehr Perspektiven haben)
• Klärung der inneren Zerrissenheit
• Schritt in eine neue Rolle oder Aufgabe
• Rückblick auf eine heikle Situation (was war hier los?)
• Hindernisse überwinden
• Erkennen und integrieren von hinderlichen Anteilen (z.B. „der Schweinehund)
• Berufliche, persönliche oder Partnerschafts-Themen

(Quelle: © Dr. Hermann Küster, dr.kuester@web.de)

Autorenangaben
Maya Grossmann ist Dipl. Coach und Geschäftsführerin eines Gastrobetriebes. Zuerst hat sie sich zur Kauffrau im Gastro ausgebildet und dort bereits den Weg in das Human Resources eingeschlagen. Nach einer wunderbaren Familienpause hat sie sich nebst einer Führungs- und HR-Ausbildung zum CAS Coach ausgebildet und sich dort im Jahr 2009 u.a. auf dem Gebiet des Coaching- und Beratungskompetenz mit dem Inneren Team weitergebildet. Im 2021 schliesst sie die Weiterbildung zur Familienstellerin ab. Ihre Beratungsschwerpunkte sind: Systemisches Persönlichkeits-Coaching, Berufs- und Firmencoaching, Familienstellen


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