Oktober 13

So meisterst du deine Patchworkfamilie

Von Dominique Rychter

Eine Patchworkfamilie ist hochkomplex und stellt für die Beteiligten oft eine belastende Multilevel-Herausforderung dar. Man möchte allen gerecht werden und läuft schnell Gefahr, durchzurutschen. Das kennen rund 13% der Schweizer:innen bestens aus ihrem Alltagsleben (statistisch gesehen trennen sich Paare mit Kindern aus vorherigen Beziehungen sehr viel häufiger als Paare ohne Kinder).

Viel Zündstoff, aber auch grosse Chancen

Der Weg zur Patchworkfamilie birgt sehr viel Zündstoff, aber auch grosse Chancen. Konflikte und Schwierigkeiten gehören dazu, können aber überwunden werden, wenn, systemisch gesehen, jede:r seinen ihm/ihr gemässen Platz findet, an dem er/sie sich gut und kraftvoll fühlt. Häufig anzutreffende Fragestellungen in diesem Zusammenhang sind beispielsweise die folgenden:

  • Haben die eigenen Kinder den richtigen Platz vor dem neuen Partner?
  • Achtet der neue Partner den Vorrang des/der Stiefkinde/r?
  • Stimmt der Ausgleich, wenn nur einer Kinder hat?
  • Werden die Ex-Partner anerkannt und gewürdigt?

Das erwartet eine Patchworkfamilie

Auch das Wissen um die Entwicklungsphasen einer Patchwork-Familie ist äusserst hilfreich, wobei oft die einzelnen Phasen nicht strikt aufeinander folgen, sondern eher ineinander übergehen, manchmal hin und her springen, mal länger oder kürzer dauern können.

Erste Phase: Gegenseitiges Beschnuppern

Voll im Liebestaumel und mit weit offenem Herzen, ist man begierig darauf, seine/ihre Kinder kennenzulernen – mit besten Vorsätzen. Die Kinder hingegen sind aber oft noch dabei, Halt zu finden, ihre Beziehung mit Mutter und Vater neu zu sortieren, die Trennung und den Verlust des gewohnten Familienlebens zu verarbeiten. Zwei Gefühlswelten, die kollidieren und in der eine harte Landung in die Realität vorprogrammiert ist.

Hier ist vor allem der leibliche Elternteil gefordert, ist er/sie sowohl im neuen Gefüge als auch in den vertrauten und wichtigen Familienritualen zu Hause. Von seiner inneren und äusseren Haltung hängt es ab, wie die Kinder die Situation wahrnehmen, annehmen und sich für einen neuen Herzensmenschen öffnen können. Die grosse Herausforderung dieser ersten Phase ist es, Räume zu schaffen für das gegenseitige Kennenlernen. Natürlich braucht dies viel Zeit – oft Monate – und noch mehr Geduld. Doch wenn sich die Kinder an der Seite des leiblichen Elternteils sicher und geborgen fühlen, öffnen sie sich eher für neue Erfahrungen und Erlebnisse.

Zweite Phase: Konflikte offen austragen

Wenn aus dem Beschnuppern mehr, es im Zusammenleben der Patchworkfamilie enger und ernster wird, werden Konflikte offen ausgetragen. Die verschiedenen Erwartungen, Bedürfnisse und Ansprüche der Familienmitglieder prallen nun voll aufeinander. Auch unter Umständen mit diejenigen des anderen, leiblichen Elternteils. Die neue Hackordnung wird festgelegt, seitens der Kinder oft auch aggressiv reagiert. So zeigen sie ihre Strategie für ihr seelisches Erleben und Überforderung.

Systemisch gesehen geht es jetzt um die Suche nach einem neuen Platz im Familiensystem, um die ganz konkrete Neugestaltung der Positionen und Rollen aller Beteiligten, sprich den leiblichen Eltern und Stiefeltern, Kindern und Halbgeschwistern und nicht zuletzt den neuen Patchwork-Eltern. Hilfreich hierbei ist ein stabiler Rahmen, in dem produktive Auseinandersetzungen und auch klärende, reinigende Kämpfe stattfinden dürfen, beispielsweise mittels einer regelmässig stattfindenden Familien-Konferenz. Eine grosse Aufgabe, die vor allem die Erwachsenen in dieser Phase herausfordert und die nicht vergessen sollten, dass Kinder eben wie Kinder reagieren und auch so reagieren dürfen.

Dritte Phase: Fragiler Alltag

Es gibt klare Abmachungen und Abläufe, an die sich alle langsam gewöhnen und manchmal sogar auch einhalten. Noch ist das neue Familiengefüge zerbrechlich, weshalb eine offene Kommunikation, auch in Form von Ritualen, in dieser Phase besonders wichtig ist. Vieles darf und kann noch einmal überdacht, revidiert und korrigiert werden, bis alle hinreichend zufrieden sind und sich mit ihrem neuen Platz wohlfühlen – vor allem die Kinder. Aber auch für die Paarbeziehung heisst es spätestens jetzt, Rituale und Räume für sich zu schaffen.

Letzte Phase: Neuer Alltag

Es kehrt ein neuer Alltag ein. Einige Rituale mögen überflüssig werden und verschwinden wieder. Andere bewähren sich und sind Teil des ganz normalen, manchmal steilen Alltags geworden.

Balance durch Coaching

Im Einzelcoaching oder mittels einer systemischen Aufstellung können die oft hochkomplexen Situationen und wechselseitigen Verflechtungen gut und bildhaft veranschaulicht werden. Mögliche, belastende Situationen und Symptome, die durch die verworrenen Beziehungen der Familienmitglieder möglicherweise bestehen, können so erkannt, geordnet und geklärt werden. Sich zeigende Spannungsfelder zwischen leiblichen Eltern und Stiefeltern, Kindern und Halbgeschwistern und nicht zuletzt zwischen den neuen Patchwork-Eltern können durch ein systemisches Coaching zum Wohle aller Beteiligten in Balance gebracht werden.


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