September 22

«Unser Körper lügt nicht!»

Von Domnique Rychner 

Dein eigener Körper verrät eine ganze Menge über dich. Du bist ja in deinem Körper Zuhause, du bewohnst ihn und bist mit ihm vom ersten bis zum letzten Atemzug verbunden. Und diese Erkenntnis funktioniert bei Gesundheit ebenso wie bei Abwesenheit von Gesundheit. Bin ich gesund, kann ich durch bewusste Körperwahrnehmung mit mir Kontakt aufnehmen. Meditation, Yoga, Bewegung, Sport, bewusstes Atmen sind einige Beispiele dazu. Aber schon alleine das bewusste Sehen, Fühlen, Entdecken unserer Welt ist eine gesunde Haltung. Natürlich auch bei Abwesenheit von Gesundheit, wenn der Körper durch Symptome auf sich aufmerksam macht oder wir krank sind, hat unser Körper ganz viel zu sagen, wenn wir auf ihn hören.

Mit diesem Blog möchte ich ein Angebot machen, Symptome und Befindlichkeiten einmal aus systemischer Sicht – also aus der Sicht im Miteinander – zu betrachten. Miteinander heisst, dass uns unser Umfeld, Muster und Prägungen möglicherweise krank machen kann. Wenn uns unser Umfeld zu viel wird, dann meldet sich unser Körper. Du wirst merken, wenn du auf deinen Körper hörst, öffnet sich ein neues Fenster der Erkenntnis. Daher möchte ich dich einladen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist, mit den Symptomen, mit dem Körper zu sprechen als Teilaspekt einer möglichen Intervention im systemischen Coaching.

Wir fühlen dem anderen nach

Alle von uns haben Spiegelneuronen und wenn du jemanden beobachtest, der sich eben in den Finger schneidet, fühlst du das in der Regel mit. Das Mitfühlen macht uns überhaupt aus. Das Ich entsteht bekanntermassen im Du, sprich wir erkennen uns im Spiegel der anderen oftmals selbst. Wichtig ist, wir sind nie schuld an einer Krankheit. Oft wird nämlich genau das oft von einem Gegenüber attestiert. Vielmehr ist es eine Situation, die wir bis anhin übersehen haben und der Körper kann, wenn wir auf ihn eingehen, zur Selbstbeobachtung und Selbstbestimmung dienlich sein.

Wir haben uns an eine Wegmach-Gesellschaft gewöhnt. In dieser lassen wir durch unsere Trägheit zu, dass andere über uns bestimmen. Viele von uns haben nie wirklich gelernt, sich ihrem Schmerz auch mal offen und ganz freiwillig zuzuwenden. Denn schliesslich gibt es für alles ein Gegenmittel. Auch das haben wir ganz früh auf unseren Weg mitbekommen. Man nimmt eine Tablette und die Schmerzen sind einfach weg. Wir wenden unsere Energie also eher für das Vernichten des Problems auf, als auf die Antwort zu hören, die unser wunderbares Leben für uns bereithält. Natürlich, wenn Schmerzen da sind, wenn es uns nicht gut geht, die Angst da ist, dass es noch schlimmer wird, dann sind wir auch nicht offen für diese Erkenntnis. Aber genau dann wäre es so wertvoll.

Der passive Patient

Als Erwachsener ist uns der Schmerz dann nur noch fremd, weil wir früh gelernt haben, dass er nicht salonfähig ist. «Ein Indianer kennt kein Schmerz.» «Ein Mann weint nicht.» etc. Und später wissen wir nicht damit umzugehen. Wir wissen dann nichts anderes als einen Arzt zu konsultieren und dann um Betäubung zu bitten. Wir betrachten den Arzt wie eine Autowerkstatt und wollen unser Leben oder Teilbereiche, die nicht funktionieren, einfach reparieren lassen. Unser Leben soll dann durch externe Fachleute wieder in Gang gesetzt werden oder wir lassen gar Teile austauschen. Das ist dann letztendlich der passive Patient, der keine Verantwortung mehr für sich und sein Leben übernehmen möchte. Und es auch nicht anders gelernt hat. Doch das Leben wird ge-managed und eben nicht repariert.

Glück und Wohlstand sind eine Frage der Lebenseinstellung und nicht eine nach dem besten Handwerker. Die Reparatur wird in der Regel von jemand anderem ohne unser Zutun erledigt und damit die Chance, wirklich etwas Gutes oder Wichtiges für unser Leben zu lernen, verwirkt. Austausch passiert immer nur miteinander und nie alleine. Und da unsere Probleme miteinander entstanden sind, liegt darin die grösste Chance für unsere Entwicklung im eigenen Leben. So ist auch zu erklären, dass unsere heutige medizinische Versorgung in akuten Fällen ein Segen ist, aber oftmals bei chronischen Beschwerden versagt, keinen Rat weiss. Denn oftmals erhalten chronische Erkrankungen oder psychosomatische Probleme bei offensichtlich gesunden Menschen ihre Wirkkraft aus dem Unbewussten.

Warum ist unser Körper also krank?

Wie wir mit unserem sozialen Umfeld umgehen und wie die Umgebung mit uns interagiert, drückt sich über unser Bewusstsein oder vielmehr Unterbewusstsein logischerweise auch in unserem Körper aus – positiv wie negativ. Wenn es uns richtig gut geht, sind wir in der Regel auch gesund; wenn es uns nicht gut geht, werden wir auf Dauer krank. Nicht wir sind krank, sondern unser Umfeld kann uns krank machen. Wir Menschen haben seit Jahrtausenden überlebt, weil wir uns der Umwelt immer wieder anpassen konnten. Gleichzeitig ist dieses wunderbare Anpassungsverhalten Nährboden für pathologische, also krankhafte Prozesse. 

Aus der fernöstlichen Heilkunde ist bekannt, dass jedes Körperorgan eine soziale Bewegung repräsentieren kann. Ist das Körperorgan im Ungleichgewicht, sind Energien blockiert, zeigt es uns, was uns widerstrebt und dass wir möglicherweise etwas leben, was wir so nicht tun möchten aber glauben tun zu müssen. Dieser grundsätzliche Überlebenstrieb der Anpassung zeigt unsere Flexibilität, wird aber möglicherweise zum Schaden, wenn wir darauf verzichten, unser eigenes Leben zu leben. 

Aufstellung: Wohltat für deinen Körper

Achte mal ganz genau, welche Körpersymptome sich im Moment in deinem Leben zeigen. Hast du Kopfschmerzen? Rückenschmerzen? Oder schon länger eine bestimmte Krankheit? All diese Empfindungen können Spiegel für emotionale Themen sein, die der Körper noch mit sich herumträgt. Über diese unangenehmen Symptome kommuniziert unser Unterbewusstsein über unseren Körper mit uns, wenn wir ihm nicht zuhören. Und damit sind sie ein super Indikator mit dem im systemischen Coaching gearbeitet werden kann. 

So können beispielsweise mit Hilfe einer systemischen Aufstellung Erkenntnisse gewonnen werden, ob eine Verstrickung mit der Herkunftsfamilie besteht (also eine Verletzung von systemischen Prinzipien im Herkunftssystem) oder sie möglicherweise Ausdruck von eigenen, nicht gelebten oder unterdrückten sind. Während es beim ersteren um die Anerkennung und Achtung des Schicksals der Person, mit der ich verstrickt bin geht, handelt es sich bei letzterem um das Erkennen, Annehmen und Reintegrieren der nicht gelebten Anteile. Oft ist es eine Kombination dieser beiden.

Zusammenfassend geht es bei einer Aufstellung mit Krankheiten und Symptomen darum, sich dem Feld anzuvertrauen, um – gegebenenfalls – Hinweise auf Ursprung, Bedeutung und Botschaft der Beschwerden zu bekommen. Wichtig dabei ist, dass die systemische Arbeit immer als Möglichkeit, als Orientierung und nicht als Dogma verstanden werden soll. Sie soll die schulmedizinische Behandlung weder ersetzen noch ausschliessen, sondern als mögliche Verbindung beider Bereiche gesehen werden.


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